"Architecture is ... a discipline which draws on psychology, sociology, economics, politics and so many more areas. ... It is certainly part of how we see ourselves, and part of how we see the world. "

MARTHA THORNE

 

(EN)

National Metsovian Polytechnic (Polytechneio), Athens – 4 days in February 2020

 

In early 2020, I visited Athens in search of poetics of space, guided by the French philosopher, Gaston Bachelard, who's seminal theories on the subject articulated the notion of a lyrical presence in architectural emptiness.

 

By chance, I discovered a vast workspace at the university’s campus, and found an extensive variety of discarded architectural mockups, carelessly piled up in the corners of the room or even jammed into garbage bags.

 

For me, the meticulously modelled utopias of the students symbolized their visions for tomorrow's community life. I asked myself whether there was due appreciation and opportunity to pursue these visions.

 

Outside the university, the Exarchia neighborhood is dominated by the ubiquitous presence of police force in riot gear, and facades hidden behind layers of graffiti and postings, many of which showcase anti-establishment symbolism. This reminded me of the omnipresent socialist imagery of my Eastern Germany upbringing.

 

When I was the students’ age, I rallied for the upheaval of this repressive system, driven by the hope for more civil rights. How may these students look at today’s society?

 

Absorbing the ambiance of the classroom and surroundings, I was seized with an oppressive feeling together with a desire to photographically document the young people's concepts of the future. Although my photographs convey a certain somberness, they should remind us to never lose sight of our dreams. 


 

"Architektur ist ... eine Fachwissenschaft, in welche Aspekte der Psychologie, Soziologie, Wirtschaft, Politik und vieler anderer Bereiche einfliessen. ... Sie verdeutlicht, wie wir uns selbst sehen und wie wir die Welt sehen."

MARTHA THORNE

 

(DE)

Nationales Metsovianisches Polytechnikum (Polytechneio), Athen - 4 Tage im Februar 2020

 

Anfang 2020 besuchte ich Athen -inspiriert von der Lektüre „Poetik des Raums“-, verfasst von dem französischen Philosophen Gaston Bachelard, welcher darin die Vorstellung einer lyrischen Präsenz in der architektonischen Leere artikulierte.

 

Durch Zufall entdeckte ich den Campus der Universität (Polytechneio) und dort einen riesigen Arbeitsraum, in welchem ich eine  Vielzahl von Architekturmodellen fand, die achtlos in den Ecken des Raumes aufeinander gestapelt bzw. schon in Müllsäcken verstaut waren zwecks Entsorgung.

 

Für mich symbolisierten die akribisch modellierten Utopien der Studenten ihre Visionen für das gemeinschaftliche Leben von morgen. Ich fragte mich, ob diese Ideen wohl eine gebührende Wertschätzung erfuhren.  

 

Das Viertel Exarchia, in dem die Universität liegt, wird von der allgegenwärtigen Präsenz der Polizeikräfte in Schutzanzügen bestimmt und von Fassaden, die sich hinter Schichten von Graffiti und Plakaten verbergen, von denen viele eine Anti-Establishment-Symbolik zeigen. Letztere erinnerten mich an die sozialistische Bildsprache meiner ostdeutschen Kindheit. 

 

Als ich im Alter der Studenten war, setzte ich mich für den Umbruch dieses repressiven Systems ein, motiviert von der Hoffnung auf mehr Bürgerrechte.  Wie mögen diese Studenten die heutige Gesellschaft wahrnehmen? Welche Möglichkeiten sehen sie, ihre Visionen zu realisieren?

 

Die Atmosphäre des Klassenzimmers und seiner Umgebung absorbierend, ergriff mich ein beklemmendes Gefühl. Gleichzeitig reifte in mir der Wunsch, die Zukunftsvorstellungen der Jugendlichen fotografisch festzuhalten. Obwohl meine Fotografien eine gewisse dystopische Düsternis vermitteln, sind sie doch als Erinnerung gedacht, unsere Träume nie aus den Augen zu verlieren.